Montag, 17. September 2012

The Skizzenfestival Diaries 2012 - Teil 1

Schon viele Eröffnungen für die Diaries versammelten sich als Mentalentwurf in den Tagen vor dem 20. Siebten. Auswahl? „Ich sag nix mehr. Nachdem es im letzten Jahr viel Wasser von oben gab, sollte der Beginn dieses Mal ähnlich verlaufen. Am Morgen donnerte der Regen so heftig, dass man meinen könnte, es wäre Hagel. Hoffentlich kriegen wir keinen Stromausfall.“ Oder so etwas: „Alles beginnt mit einer Premiere. So ist dieses Mal dasjenige erste, bei dem ich bereits am Anfang dabei bin. Die PC3-Klausur ist nebst zugehöriger Prüfung Vergangenheit, äh ja und so.“ Stattdessen sieht der erste zwölfte Satz so aus: Der Rezeptionstisch ist gerade unbesetzt. Einige Wenige befinden sich im Hinterhof, die Werkstatt ist betriebsbereit, aber verlassen. Im Hintergrund ertönt Musik. Ein paar Sonnenmacher befinden sich oben im Café Die Anmeldung für Free Participants startet um drei. Also in einer halben Stunde. Begebe mich in den Hof. Fünf Anwesende, darunter Ida, die, als ich in der Werkstatt war, die Treppe runterkam, und Till. Und ... ich glaub, er hieß Xaver. Etwas später kommt Salom an. (Das heißt, ich dachte, es wäre Salom, es war dann aber doch jemand Anderes. Entschuldigt, wenn dieser Vorfall in späteren Parts möglicherweise holprig wird, aber beim Korrekturlesen übersehe ich so etwas schnell mal.) Und wie immer steht die Frage im Raum: Wo in aller Welt sind die alle? (H to the O to the S to the T to the EL, wie mein inneres Ich vermutet.) Immerhin sind die Workshop-Veranstalter nach kurzer Zeit da. Werden freudig begrüßt. Btw: Die musikalische MP3-Unterstützung kommt diesmal von Gronkhs Minecraft-Let’s Play. In der Vergangenheit tauchte der ja immer mal wieder namentlich hier auf, so auch kurz bei den letztjährigen Diaries, und ich beschäftige mich von Mal zu Mal mehr mit ihm. Den Plan, beide Skizzenbücher bis zum Festivalbeginn komplett zu füllen, hab ich nicht ganz hingekriegt, es sind noch 34 Seiten offen. Und was zum Teufel ist das für eine Presse hinter mir?
Chris ist wieder mit dabei. Und er hat sich kein bisschen verändert. Im Workshop ist das zu sehen. Große Blätter Papier, Fünfergruppen, es geht darum, Figuren zu zeichnen. Jede Gruppe eine Figur auf ihr Blatt, jeder ein Segment, und eigentlich sollte jeder seinen Part machen (Kopf, oberer Rumpf, Hüfte, Beine, Füße), und natürlich cheaten wir in unserer Gruppe. Chris macht den Kopf, Maki den Rumpf, der von Salom fortgesetzt wird, ich übernehme die Beine und Marius die Füße. Wir kriegen das zwar gleichzeitig hin, statt nacheinander, wie es geplant war, aber ... nee. Kopf und Unterrumpf sind zum Distanzieren. Und natürlich hält sich nicht jeder nur in seinem Bereich auf. Chris und Salom beginnen, eine Eigendynamik zu entwickeln. Wenigstens fällt die ... DAS Jene nicht allzu sehr auf, wegen der Aufgabenstellung sieht alles recht schräg aus. Da nach korrekt gelöster Aufgabe es ein wenig dauert, bis alles fertig ist, und danach freies Zeichnen angesagt ist, zog es sich an der Stelle etwas, bis wir uns aus dem Seminarraum zurückzogen. Diesen belegten wir, da es draußen zu feucht und zu kühl war. Nun scheint die Sonne, und die nächste Aufgabe steht an. Eine Art Speed-Dating: Jeder sucht sich wen, den er noch nicht kennt (also nicht allzu sehr) und zeichnet den für zwei Minuten. Dann werden neue Partner gesucht. Tatsächlich bekomme ich auch Ida. Ihr wisst schon, beim letzten Festival habe ich von ihr keine akzeptable Skizze hingekriegt, auch wenn ich es noch so verzweifelt versucht habe, aber dieses Mal hat es endlich funktioniert, und das noch beim ersten Anlauf. Ich weise sie während der Vorstellung darauf hin, dass ich ihren Blog lese. Sie freute sich.
Das ist jetzt neun Stunden her. Es kommt mir vor wie eine Woche. Es ist so viel passiert, dass wir keine Zeit verschwenden und gleich weitermachen sollten. Also, ich hatte Ida auf dem Papier. Und viele andere Leute auch. Bei manchen ignorierte ich die Zwei-Minuten-Takte, wir blieben auch danach noch beieinander. An dieser Stelle bemerkte ich einen Irrtum: Ich hatte vorher nicht Salom gesehen, sondern Franziska. Sie war neu hier. Auch mit Kind und Kegel. (Okay, ich hatte es also doch noch notiert, meine Befürchtung am Anfang des Parts war also zum Glück unbegründet.)
Nach einer Weile hat man dann im Prinzip alle unbekannten Gesichter durch. Und vermisst einige. Zum Beispiel Rundohr, der dieses Mal nicht am Start ist. Und Judith und Elena. Die Erklärungen kamen später von Maki. Allerdings hab ich später noch Sophie gesehen, die sich letztes Jahr um den Podcast kümmerte. Im Verlauf des Workshops kam auch Anna dazu.
Zwischendrin musste Platz für eine Trinkpause sein. Und an dieser Stelle noch ein Fazit in Bezug auf meine Klamottage. Ich trug mein „Ich bin POLYZIST“-T-Shirt, welches Polysemia-Fandom bedeutet. Damit wollte ich am ersten Tag gleich herausfinden, ob weitere Poly-Fans anwesend sind. (Nein.) Die anderen Leute reagierten von humorvoll bis eher so naja. Der Hut war da schon eher Erkennungszeichen. Ich nahm den größeren, da ich den wegen seiner Knicke schon lange nicht trug. Außerdem hat sich der andere eine Pause verdient. Mit diesem Outfit stand ich nun im Durchgang, Flasche Wasser dabei, die Aufgabe erledigt, dreh mich um: WIEBQUE! Yay, gleich herzliche Begrüßung. Und nachträglich alles Gute zum Geburtstag. Spreche noch was mit Chris ab, und dann ist es nicht mehr allzu weit bis um sechs. Tja, und nun? Es geht halb neun im Hafen weiter, und was zu essen muss ich selbst besorgen, weil Free Participant. So fragte ich, ob ich meine zwei Hände zum Aufräumen oder so zur Verfügung stellen könnte. Nein, aber ich könnte auf dem Alten Markt gegenüber von der Touristeninfo am Stand der Spielkartenfabrik einen Schutzbrief gegen schlechtes Wetter kaufen, so Anna. Dies tat ich. Als Verkäufer betätigten sich Fred und Andi. Der mein Free Paricipant-Armband und mich selbst sofort erkannte und mit den Schutzbriefen sogleich dienen konnte. Mit einem halben Ohr habe ich gehört, dass Percy der Verantwortliche für die T-Shirts ist, die man ab Montag bestellen kann. Dann ging ich zum Laden, denn ich dachte, es ist doch eine nette Idee, Mom abzuholen und dann zu Hause was zu essen und dabei Krempel abzuladen. Die Idee war dann doch holprig, denn es gab Knatsch zwischen Ellis. Wegen Zeiten und so. Hatten sich aber wieder eingekriegt. Das Essen wurde auf den Alten Markt verlegt, wo wegen der Wallenstein-Tage genügend Action am Start war. Nach ausgiebiger Inspektion und Bekannten von Ellis (ich kannte die nicht) gab es Schnitzel im Brot. Ich muss sagen, dass das gefüllte Hanfbrot gut aussah und roch (wenn es denn wirklich Hanfbrot war oder ich mich einfach massiv verlesen habe). Vielleicht probiere ich das noch. Nach dem Aufessen und beim Kirschbier der Eltern meinte ich dann, dass ich so langsam zum Hafen wollte und stapfte dann auch los. Die neue Regenschirm-Befestigung war nicht so gut, denn der Schirm verhakte, obwohl er genau das mit der neuen Konstruktion nicht sollte. Hatte ich schon erwähnt, dass ich wider Erwarten das alte Skizzenbuch noch an dem Tag fast vollgekriegt hätte? Das war der Verdienst des Speed-Dating-Workshops, und nach 27 Skizzen zeigen sich nicht einmal Erschöpfungserscheinungen. Nun kam ich also am Hafen an und wurde vom Rummel überrascht. Es war am ganzen Hafen und auch direkt neben der Gorch Fock, auf der das alles stattfinden sollte. Draußen stand keiner, auf dem Schiff war nicht viel zu sehen. Ich platzierte mich hinter der Bühne, die neben dem Schiff aufgebaut war, damit ich das Gemucke nicht so sehr mitzukriegen hatte. Außerdem hatte ich so die Kirchturmuhr im  Blick. Dort schrieb ich den Teil zwischen der Workshop-Beschreibung und Ida, und dann war es so zehn vor halb, und bislang kam nur der Oberbürgermeister, der, wie ich finde, eine tiefere Stimme hat als vor ein paar Jahren, als er wirklich noch etwas Bodo Wartke-Appeal hatte. Da man das Deck von hier unten so schlecht erkennen konnte, ging ich die Gangway hoch und ein paar Sonnenmacher inklusive Wiebque und Anna waren da. Es dauerte etwas, ehe alle Anderen ankamen, und zwischendurch regnete es. Wiebque meinte: „ Nein, es regnet nicht.“ Für den Fall hätte ich den Schirm dabeigehabt. Und jetzt leg ich mich schlagen, denn das waren vier Seiten für sechs Stunden, wo die sonst einen ganzen Tag reichen.
Weiter im Text. Die Participants sind also samt Band im Pulk angereist. Nachdem noch einige zusätzliche Gäste ankamen, wurde die Ansage eröffnet. Wiebque sprach, Anna übersetzte auf Englisch. Der OBM hielt im Anschluss seine Ansprache auf Englisch. Dann spielte die erste Band. Zwei Saxophonisten, ein Drummer, ein Bariton-Spieler und jemand am Akkordeon. Einige Leute haben sich ein Getränk besorgt, an Bord konnte man sich was kaufen. Natürlich wurde ausgiebig geskizzt, ich hab das sein lassen, da es vorhin gedröbbelt hat und ich froh bin, das sich meine Finger wärmen. Die Kombinationswerke von manchen Leuten, die halbe Stunden zur Erstellung in Anspruch nehmen, erinnern mich an die Eröffnungs-Konzert-Skizze, die Ida letztes Jahr auf ihrem Blog zeigte. Ich dachte noch daran, das Skizzenbuch zu füllen, da nicht mehr viele Seiten übrig waren. Fing auch an, mit einer Ansicht südwärts auf die großen Hafengebäude. Dabei blieb es dann.
Szenenwechsel. Gegenwart. Einen Tag später, so gegen zwei. Ich hab die Aufgabe gemacht und bin im Café im zweiten Stock und schreib am Tisch. Hier ist das Hauptquartier, und die meisten Sonnenmacher sind hier und auf dem Tisch befindet sich Frühstück. Das Geschäft wird besprochen und Il Capo, also Wiebque, ist die Chefin. Ein Brief wird auseinandergeschraubt, weil die Formulierung eigenwillig ist.
Zurück auf dem Schiff. Es wird zunehmend dunkel. Der Rummel blinkt wie Las Vegas. Die Beleuchtung gibt für mich keine Skizze mehr her. Zwischendrin geh ich Richtung Bug, der über eine Treppe erreichbar ist. Bin nicht lange da, weil Beleuchtung. Es kommt nach einer Pause noch eine zweite Band an Bord. Erkennbar am Kontrabassisten mit angegrauten Haaren. Darüber hinaus ein Sitzdrummer (Vorgänger musste stehen), Gitarrist, Sänger und ... ich vermute, ein Akkordeon. Wir sollen ein wenig näher kommen, damit die hinten auch was verstehen. Der Sänger hat eine charakteristische Nasenstimme. Sie spielen größtenteils Coverversionen, darunter Übersetzungen ins Deutsche. Eine davon war von Noir Désir – Le vent nous portera. Davor ein Stierkampf aus der Sicht des Stieres mit dem Refrain: „Kann man diese Welt ernst nehmen?“ Er macht häufig Gebrauch von Stimmverzerrung mit einem Megaphon. Ich vergaß zu erwähnen, dass bei der ersten Band ein paar Leute tanzten und Manja barfuß am Start war. Bei der zweiten Band stand ich recht weit vorn. Von oben sahen einige zu. Maki fragte nach der ersten Band, ob ich ihr Bier öffnen könnte. Clevererweise hatte ich diesmal einen Flaschenöffner dabei. Den ich wusste noch, wie schmerzhaft ein Schlüssel zu diesem Zweck auf einen Daumen drücken kann.
Nachdem auch die zweite Band ihren Auftritt beendete, war zunächst nicht ganz klar, wie es weitergeht. Bis ich nach einer Weile des Herumdümpelns auf Wiebque traf. Der Plan war, mit Konsorten in die Kulturschmiede zu gehen. Dazu sollten noch einige Menschen befragt werden. Maki war mit am Start und ein paar Andere auch. Es musste noch abgeklärt werden, dass die Chefin jetzt geht und daher so was wie Schicht im Schacht war. Wiebque fing an, loszuwippen, konnte sich aber noch abhalten, mit dem Tanzen anzufangen. Es spielte leicht schnulziger Mist, und es hätte mich gewundert. Ihr Musikgeschmack ist vielfältig, aber nicht so vielfältig, dass es gerechtfertigt wäre. Verlassen dann das Schiff. Unten angekommen dauert es keine Minute, bevor die ersten paar schon verschwunden sind. Tauchen auch nicht mehr auf. Auf dem Schiff ist auch keiner mehr. Egal, wir gehen nach einer Weile los, nachdem Wiebque in Erfahrung brachte, dass sie bereits losgegangen sind. Da lässt man die einen Moment alleine und schon sind sie weg. Leipziger Messe. Ganz ähnliche Zustände. Wir sind zu viert. Und Wiebque zählt mich ein bisschen zusammen, wegen der Ars Lingua Perspectiva-Beiträge. Die muss sie sich peu à peu aus meinem Blog rausfummeln, anstatt dass die zentral beim Dreque Werque eingehen. Denn die wären gut und sie würde die wirklich gerne haben wollen. Für die achte Runde gelobe ich Besserung: Sie darauf: „Wort.“ Im Sinne von: „Das ist ein Wort.“ Im Kopf fing ich schon an: Wort. Gebilde aus mehreren Zeichen in einer formalen Sprache. In einer natürlichen Sprache sollte eine Semantik auf die Zeichenkette vorliegen und so weiter. Meine Begründung war die, dass laut offiziellen Bedingungen bis zu drei Sätze zurechtdefiniert werden sollten, und meine Definitionen sind sehr oft länger. Andererseits gibt es auch ALP-Beiträge mit mehr als drei Sätzen, also zählt das nicht. Im Prinzip hat mich die Muse erst später gepackt, und insbesondere zur Limerenz aus ALP 2.0 wollte ich zu dem Zeitpunkt nichts mehr schreiben, außer eine an mich selbst gerichtete Triggerwarnung. (Mittlerweile ist die achte ALP-Runde vorüber und dieses Mal hab ich meine Beiträge nicht nur auf meinem eigenen Blog gepostet, sondern sie auch beim Dreque Werque eingeschickt und außerdem für meine alten Beiträge einen Schnellzugriffslink in der Leiste eingerichtet, ich habe also meine Schuldigkeit getan.)
In der Langenstraße bemerken wir, dass die Plakate vom Konzert auf der Gorch Fock über den Dancehall-Plakaten kleben, auf denen eine Frau im BH posiert. Um die übrigen zu überkleben, gedenken sie, die Konzertankündigungen abzureißen und an anderer Stelle neu anzubringen, obwohl sie die Dinger selbst drucken. „Ihr klaut eure eigenen Plakate?“ Dies war meine Erwiderung. Wir überlegen, ob die Schmiede leer genug ist. Denn es ist Freitag, andererseits sind alle bei den Wallenstein-Tagen. Es ist leer genug.
In der Schmiede ist ein Tisch schnell gefunden. Eigentlich wollte ich noch Geld holen, da ich so ziemlich keins mehr habe, also nicht bezahlen könnte, allerdings hab ich noch zwei Euro, und die reichen für ein Ginger Ale. Darüber hinaus stehen am Tisch zwei Diebels und eine heiße Schokolade. Wiebque interessiert sich für meinen Hut. Und setzt ihn dementsprechend auf. Es dauert nicht allzu lange, bis mehr Leute von uns auftauchen. Anna und Maki sind dabei, und der Tisch und die Bank werden herübergerückt und an unsere Ausführungen angekoppelt. Jemand bestellt sich noch eine Milch, weil die hier am billigsten ist. Später kommt noch eine Ladung Leute von uns. Wir tauschen gegenseitig unsere Skizzenbücher aus. Das von Maki hab ich schon auf dem Boot gesehen. Ungefähr zur Hälfte voll. Meins wird ebenso durchgeschaut. Da ich es im März begann, ist es fast voll und an manchen Stellen kommentiere ich, da dort Items für das Minecraft-GUI Pack gelagert werden. Wiebque spricht toll. Sie erklärt ihren Tunnel im Ohr, den ich irgendwie größer in Erinnerung hatte. Da kann man prima Stifte bunkern. Und sie hat selbst noch kein Skizzenbuch. Hm. Wir sprechen noch über Marius. Er wollte eigentlich auch hier sein, aber er ging irgendwie verloren. Im Zusammenhang mit seinem rückwärts aufgesetzten Basecap fallen in Bezug auf die Tragweise meines Hutes die 90er. Dass das so ein Feeling aufleben lässt. „Und dann singst du Informer, you know say Daddy me Snow me I go blaham“, sag ich. Jetzt hätte ich doch fast „me“ mit ie geschrieben. Ich hätte mir einen Voice Recorder mitnehmen sollen, denn es fällt echt schwer, sich an diese Fülle von Informationen zu erinnern, zumal wir jetzt inzwischen bei Tag 3 und auf Seite ... Moment ... acht sind.
Irgendwo zwischendrin war auch eine Stelle, die mir im Nachhinein wieder einfiel: Ich weiß nicht mehr den genauen Verlauf, deshalb rate ich mir jetzt irgendwas zusammen. Beteiligte Personen: bitte nicht mich beleidigen oder Schlimmeres. Ein Glas fiel um. Es war etwas drin. Betonung auf „war“. Nun ist da nicht mehr wirklich etwas drin. Es könnte Wiebques Glas gewesen sein. Was sich im Glase befand, gelangte teils auf Hannas Hose. Nun will Wiebque aber nicht das Diebels verkommen lassen. Sagen wir mal so: Es sieht ein bisschen falsch aus. Bei der Begebenheit fällt mir ihr Geburtstag vor drei Jahren ein. Da wollte ich die Zutatenliste des Schokolikörs lesen, bemerkte dabei aber nicht, dass der noch halb offen war, und danach müsste meine Hose eigentlich nach Schokolade geschmeckt haben. Hat niemand ausprobiert. Mist verdammter.
Meine linke hinzugekommene Sitznachbarin fragt Wiebque, was für ein furchtbarer Hut das ist, den sie da trägt. „Meiner“, antworte ich. „Oh“, ist die Rückmeldung. Macht aber nix. Weitaus später spricht wiederum ihre Nachbarin mit mir. Sie ist sympathisch. Auch später treffe ich sie nochmal. Wir überlegen, Kicker zu spielen. Aber dafür fehlt uns der vierte Mann, und es ist eh dauernd besetzt. Am Billard-Tisch spielen mehrere Leute, und vier davon haben hochliegende lange Haare, und drei davon tragen eine Brille. Sie könnten glatt Doppelgänger sein. Ich vergaß, zu erwähnen, dass Wiebque gleich am Anfang wen an einem ganz anderen Tisch begrüßte und mittendrin noch jemand vorbeikam. Das Intermezzo mit dem Trunkenheini, der ein Fußtattoo will, lass ich mal weg.
Da ich mich beim besten Willen nicht an mehr Dinge erinnern kann, spring ich mal zum Ende: Wir haben uns startklar gemacht. Jeder zahlt seine Drinks und zieht die Jacke an. Kurz vorher waren alle weg und Wiebque war noch da. Ich musste an die Szene aus Pulp Fiction denken, in der sich Mia Wallace und Vincent Vega gegenübersitzen. Wenig später sind wir alle draußen. Und verabschieden uns. Fühlt sich fast so an, als wäre das Festival bereits vorbei, weil so viel passiert ist. Dementsprechend lang fällt das Prozedere aus. Zu Hause schreib ich bis drei weiter, bis zum Anfang der Aktion auf der Gorch Fock.