Samstag, 10. Juli 2010

Die Jugend taugt nix

Jetzt mal im Ernst: Habt ihr was anderes erwartet? Die wichtigste Eigenschaft der Jugend ist doch wohl die, dass sie so verflucht jung ist. Es ist normal und sogar staatlich vorgesehen, dass die Jugend sich noch nie um eine Arbeitsstelle bewerben musste. Sie mussten nie einen Job erledigen, das ist gesetzlich festgelegt. Daher kennen sie das auch nicht, wissen nicht, was das alles mit sich bringt. Das einzige, was sie kennen, ist die Schule. Und die fordert in erster Linie. Die Lehrer kennen sie nicht privat, also bleibt die emotionale Ebene zu denen stets distanziert. Es kommt eher selten vor, dass Schüler von ihren Lehrern etwas einfordern können. Die Beziehung ist also eher einseitig. Und da ist es ja wohl mehr als logisch, dass man davon Ablenkung braucht, zumal die Ablenkung auch hübsch drapiert in Massen auftritt.
Die Leute haben einfach noch nicht die Lebenserfahrung, die ältere Menschen haben. Und außerdem haben sie noch mit einem heftigen Hormonschub zu tun. Der sagt ihnen: Genieß dein Leben und mach was du willst, denn besser wird es nicht. Live fast, love hard, then study oder so ähnlich. Klar, dass die das auskosten wollen. Und die, die sich darüber beschweren, wollen sich eigentlich nicht über die Jugend beschweren, sondern allgemein über Menschen, die so leben, weil sie selbst nicht nach diesem Modell leb(t)en.
Dann kommt wieder die Aussage: Die Jugend interessiert sich nicht für wichtige Dinge. Habt ihr es mal ernsthaft versucht? Die ganzen sogenannten Jugendsender senden zwar das, wovon sie glauben, dass die Jugend das sehen will. Aber damit bedienen sie doch nur eine Teilgruppe, nämlich eben diese Klischeejugendlichen, die sich alle möglichen Apps auf ihr Handy laden und der ganze Scheissdreck. Ja, da gibt es aber noch Andere. Um nicht zu sagen, einen Haufen Andere. Das Problem ist hier das gleiche wie mit den Künstlern: Diejenigen, die am lautesten schreien, werden zuerst gehört. Die Klischeejugendlichen gibt es, ja, das gebe ich zu, aber die vielen ruhigeren sind eben so ruhig, dass man sie nicht immer wahrnimmt. Ich wage sogar die Behauptung, dass einige diese nicht wahrnehmen wollen, weil sie auf den ersten Blick nichts Interessantes an sich haben. Typische Teilzeitaußenseiter eben. Normalos. Damit kann man kein Drrrama erzeugen (man muss das so schreiben, damit beim Leser die Wahrscheinlichkeit für die Wahrnehmung einer amerikanophonen Intonierung erhöht wird, also so ein rollendes arrrrrrrr). Mit anderen Worten, diejenigen, die sich darüber aufregen, sind selbst vorschnelle Schwachköpfe, die entweder schon immer griesgrämig dreinsehende Zeitgenossen waren oder aber in ihren Teenie-Zeiten bzw. in ihren Zwanzigern dauernd wütend einen Drink nach dem anderen bestellt haben. Mit viel Chinin, natürlich. Lohnt sich doch sowieso nicht, Maltose hinzuzusetzen, verursacht nur unnützen Karies. Oder heißt es "das" Karies? Ich bin im Moment nicht über das Genus von Karies informiert. Und weil derlei Schnapsleichen nie was Besseres zu tun gehabt haben, als sich über irgendjemanden aufzuregen, der nicht so ist wie man selbst (oder in diesem Fall wahrscheinlich sogar so ist, wie man selbst einmal war), gehen sie halt verbal auf die Altersgruppe los, in der sie gerade nicht sind. Besonders lustig wird das, wenn es sich dabei um Erwachsene in den 30ern und seltener in den 40ern handelt, denn die haben zwei Altersgruppen, über die sie sich aufregen können: die Alten und die Jüngeren. Ich sage die Jüngeren, weil der Ausdruck "die Jungen" trotz Voranstellung des hier gemeinten Gegenteils dennoch mit dem Begriff der nicht ausgewachsenen männlichen Bevölkerung verwechselt werden kann, also "die Jungs".
Wird über die Jugend gemeckert? Check. Wird etwas unternommen, um die angeblichen Missstände aus der Welt zu schaffen? Negativ. Es wäre möglicherweise interessant, wenn sich die ehemaligen Musiksender wieder in ebensolche umwandeln würden. Und dabei nicht nur Elektroscheiss spielen (was für eine tolle bloginterne Anspielung), sondern auch verstärkt und vor allem in abwechselnden Zeitintervallen Sparten machen. Einmal eine Stunde MTV Rockzone genügt dabei übrigens nicht. Ihr solltet auch mal den einen oder anderen Jazzabend machen und auch genialen alten Scheiss rotieren lassen. Diese unrealistischen kalifornischen Serien könnt ihr euch gelinde gesagt sonstwohin klemmen. Das überlasst mal lieber RTL2. Denjenigen, die sich wirklich dafür interessieren, aber keinen Internetanschluss zu Hause haben (was vor ein paar Jahren übrigens normal war), bleibt nur das Kabarett. Das ist für die Jugendlichen mehr oder weniger Unterhaltung (untrügliches Indiz: es gibt was zu lachen) und sie lernen dabei noch ein bisschen was für Sozialkunde. Bei mir war das jedenfalls so. Die ganzen Namen von den Ministern und deren Ämter hab ich mir am besten über "alles muss raus" mit Urban Priol und über Stenkelfeld gemerkt. Das war klasse.
Es fehlt die Ausbildung zur Selbstständigkeit. Das ist bei vielen, auch bei mir, ein ernstzunehmendes Problem. Wir brauchen mehr solche Typen wie Robin Williams in "Der Club der toten Dichter", wenn wir so was wie eine mehr oder weniger okaye Jugend (tolles Wort, nicht?) wollen, die nicht so aussieht wie Stefan George. Jetzt mal ernsthaft, ein Vertreter der Neuromantik kann doch nicht so grimmig dreinblicken. Für alle, die das Bild nicht vor Augen haben: Stellt euch vor, eurem Chef könnte man rein optisch eine gewisse Ähnlichkeit zu Hans Landa (abgesehen von der Frisur) und einen leichten Hang zur Misanthropie zugestehen. Und jetzt stellt euch vor, ihr hättet sein Auto zerkratzt und seine Frau hätte wegen euch mit ihm Schluss gemacht, und er weiß das alles. Und dann begegnet ihr euch auf dem Flur, und er sieht euch an. So sieht Stefan George aus. Okay, er hat zwar den ersten Weltkrieg abgelehnt, aber das ist so, wie wenn ich sagen würde, dass Gerhard Schröder auch den Irakkrieg abgelehnt hat. Das mag ja ganz nett sein, aber das ist nicht die ganze Person. Also: Wenn die Jugend sehr gut sein soll (was auch immer das heißen mag), dann macht aus ihnen selbstständige Menschen und hört mir bitte mit diesem Scheiss-Pessimismus auf.

Donnerstag, 1. Juli 2010

eigentlicher Meckerpost

Aber eigentlich wollte ich ja über was Anderes schreiben. Nicht nur, dass das Bewertungssystem von imdb stellenweise an rotten Tomatoes erinnert, sondern auch noch was, das mich nervt. Jeder, absolut JEDER Film auf imdb (na gut, vielleicht abgesehen von ein paar Ausnahmen) hat in der unteren Leiste, wo die ähnlichen Filme drinstehen, Freeway auf der Liste. Kann mir mal einer sagen, was das soll? Keine Sau kennt Freeway, auch wenn die Hauptrollen mit Kiefer Sutherland und Reese Witherspoon besetzt sind. Und wenn ein Film mal nicht so ähnlich ist wie Freeway, dann ist er so ähnlich wie My Own Private Idaho. Witzig übrigens, dass die beiden Filme über The Basketball Diaries verknüpft sind. Wie dem auch sei, kennt irgendeiner einen dieser beiden Filme? Sind die offenbar so verwässert, dass die was von allem haben? Oder gelten sie als Ur-Prototyp des Films ab den Neunzigern?
Es werden hier Realitäten geschaffen, die so nicht existieren. Und das dank irgendwelcher Vollidioten, um mal den Anschluss zum letzten Eintrag zu finden. Trantüten, die meinen, so wenig Anerkennung zu haben, dass sie sich sogar als Nerds ausgeben müssen, um dort Respekt zu bekommen. Ich meine, ich hab nichts gegen Nerds, aber ich habe was dagegen, dass sie auf einmal so mir nichts, dir nichts so hochglorifiziert werden. Was soll das, so von jetzt auf gleich? Die haben sich sonst durch das Merkmal herausgestellt, dass alle anderen von denen nichts wissen wollten, sie als Außenseiter abgestempelt haben, und dann kriegen die auf einmal dieses Anzeichen von Respekt? Ach Mist, ich brauch immer so lange zum Schreiben, dass ich diesen Gedankengang ad absurdum geführt habe, ‘tschuldigung. Ich meinte natürlich nicht, dass Nerds jetzt auf einmal verstärkt auf Partys zu finden sind, sondern, dass sie immer mehr imitiert werden. Und dann entstehen solche blödsinnigen Sachen. Der verstärkte Gebrauch von Abkürzungen. In Chats wird in überbordender Weise Gebrauch von Abkürzungen gemacht. Nicht dass wir uns hier falsch verstehen, ich hab nix dagegen, dass die Groß-/Kleinschreibung völlig missachtet wird, beim Sprechen spielt die ja auch nicht so die Rolle, und im Englischen werden Wörter eigentlich auch nur dann großgeschrieben, wenn sie am Satzanfang stehen oder wenn es Eigennamen sind. Aber ich mag es nicht, dass fast überall, bei einer Situationsschilderung, die nur im Geringsten merkwürdig ist, als Nächstes „lol“ oder „wtf“ gepostet wird. Besonders peinlich, wenn man nicht mal weiß, was das heißt. Also, hier ein kleiner Guide: „rofl“ ist die Abkürzung für „rolling on the floor laughing“ (rollt sich auf dem Boden vor Lachen). „lol“ ist zum einen ein französischer Film von 2008 mit Sophie Marceau, den ich ziemlich gut finde, zum anderen die Abkürzung für „laughing out loud(ly)“ (laut auslachend). „wtf“ ist die Abkürzung für „what the fuck“ (was zum Teufel). „ftw“ ist nicht „wtf“ rückwärts, sondern die Abkürzung für „for the win“ (zum Sieg). „afk“ heißt „away from Keyboard“ (weg von der Tastatur). So, liebe Kinder, jetzt habt ihr einen kleinen Überblick bekommen. Jetzt dürft ihr wieder mit eurer App spielen, die früher einfach nur „Anwendung“ hieß und mit der ich hier nicht länger terrorisiert werden will, nur weil keiner weiß, dass eine App eine Application ist. Bei sVZ kriegst du doch dauernd so einen Schwachfug um die Ohren gepflastert. Und jeden Tag kommt so ein anderer Blödmann und lädt mich in die Gruppe „Freunde Freundesfreunde“ ein. Zu eurer Information: Ich weiß sehr wohl, wer alles meine Freunde sind. Ich hab mir auf dem USB-Stick ein Archiv angelegt, damit ich weiß, wer gekündigt hat, wenn mal wieder ein Eintrag weniger vorhanden ist. Wobei einiges auch auf menschliches Versagen zurückführbar ist: Ich wollte einfach mal in irgendeiner Personenliste weiterblättern, da scroll ich aus Versehen nach oben, schaffe es aber nicht mehr den Klick noch aufzuhalten: Ihre Freundschaftsanfrage an ******************* wurde nun abgeschickt. So kann man auch zu Bekanntschaften kommen.

#69311 -[ 1595] + 30.12.2006 18:21 ICQ [x]
<nightmare>Sag ma, ich kenn dich jetzt schon zwei jahre, 34 Tage, 2 Stunden und 30 sekunden... ( ungefähr). Wir haben zwei mal cs gehabt, sin nun schon drei monate per internet-beziehung zusammen....
<kampfkeks>Und??? xD???
<nightmare>Wie heisst du eigentlich?
german-bash.org

Eile mit Weile. Dann liest man auch nicht so oft „sry, falsches Fenster“. Um dann zu antworten: „Wie, falsches Fenster? An wen sollte das denn sonst sein? Mit wem schläfst du denn sonst noch? Ich bin doch dein Freund.“ KÄHÄHÄHÄ!!!
Noch ein Zitat zu der Thematik: HDGDLFIUEBAED. Ihr wisst was ich meine. Den HDL-Song von Jasper. Und da hieß HDGDLFIUEBAED nicht „Hab dich ganz doll lieb sonstwas blablablubb …“, sondern: „Hilf deinem Gehirn. Dauerhaftes LOLn führt im Unterbewusstsein eine Beschädigung am Einfühlungsvermögen durch.“
Wissen die meisten überhaupt noch, wo dieses Abkürzungszeug herkam? Aus der Zeit, in der man sich SMSen schrieb, die maximal 160 Zeichen lang sein durften. Da kam es durchaus vor, dass man „Hab dich ganz doll lieb für immer und ewig bin auf ewig dein“ nicht neben den anderen Inhalt geklemmt kriegte. Da hat das wieder Sinn. Aber wer hat bei ICQ oder IRC ‘ne Zeichenbeschränkung? „lol“ klingt irgendwie abgedroschen. Ebenso „rofl“. Da bevorzuge ich die Sternchenvariante à la *untermtischliegtvorlachen*. Wer will, kann auch die Sternchen ansagen. Aber bitte, beschränkt das auf das VL. Im realen Leben will ich nicht unbedingt „lol“ hören, sondern höchstens einen schrägen Blick ernten. Und auch den nicht immer. Der schräge Blick ist im realen Leben das, was „wtf“ im VL ist. Lest mal wieder ein Buch. Zum Beispiel „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“. Ich kenne das noch nicht, werde mir das aber dann auch besorgen, nachdem ich jetzt „Die Tochter des Kannibalen“ endlich mal durchgelesen habe, was hab ich mich auf dieses Buch gefreut.

Tja, das war der vor ewigen Zeiten in einem Kommentar bei wursr angekündigte Meckerpost, aber so doll war der jetzt auch nicht, abgesehen vom Schluss, der war ganz gut, aber der Inhalt lief auf Schmalspur. Vielleicht fällt mir ja noch was ein, was ich dann noch mit hinzunehme, ich werde das dann separat schreiben.